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Wenn Lehrkräfte einen Tag lang zuhören

Schaffhauser Nachrichten, 23.09.2006 von Erwin Künzi

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Die Kantonalkonferenz der Schaffhauser Lehrkräfte beschäftigte sich dieses Jahr mit dem Thema «Lernen und Lehren».

Alle drei Jahre treffen sich sämtliche Lehrkräfte des Kantons zu einer Kantonalkonferenz. Gestern Morgen war es wieder einmal so weit: Mit Ausnahme der Kantonsschullehrerinnen und -lehrer, die eine Weiterbildung in Lausanne absolvierten, waren alle gekommen, und Ruth Peyer, die Präsidentin der Kantonalkonferenz, konnte ihre Begrüssungsworte an ein fast bis auf den letzten Platz gefülltes Stadttheater richten. Nach dem Auftakt durch das Kabarett Birkenmeier - Vogt - Birkenmeier aus Basel (von ihm wird noch zu reden sein) ergriff Erziehungsdirektorin Rosmarie Widmer Gysel das Wort. Sie begann ihre Ausführungen mit etwas, mit dem die Anwesenden in der Regel nicht überschüttet werden: mit Dank; Dank für das Engagement der Lehrkräfte in der Schule, trotz wechselnder und tendenziell steigender Ansprüche und in einem Umfeld, das zunehmend heterogener und schwieriger wird. «Die Lehrkräfte sollen die Probleme der Gesellschaft im Klassenzimmer lösen», meinte sie. Die Schule befinde sich im Wandel, stellte die Regierungsrätin fest und benannte diesen mit den Stichwörtern «Integration», «Fremdsprache» und «Geleitete Schulen», womit sie beim neuen Bildungs- und Schulgesetz angelangt war. Zurzeit werde nach der ausgiebigen Vernehmlassung (die SN berichteten) die definitive Version erstellt, die am 24. Oktober von der Regierung zuhanden des Kantonsrats verabschiedet werden soll. Ziel sei es, das neue Gesetz auf das Schuljahr 2008/09 in Kraft zu setzen, meinte Widmer Gysel, allerdings könnte dieser Termin durch die Beratung im Kantonsrat verzögert werden. «Ich hoffe aber, es dauert nicht gleich lang wie vor knapp 100 Jahren: Damals nahm sich der Kantonsrat, bedingt durch den Ersten Weltkrieg und die Maul- und Klauenseuche, 15 Jahre, von 1910 bis 1925, Zeit, um das Schulgesetz zu behandeln», erklärte sie unter dem Gelächter des Saals.

Wieder ernster werdend, informierte sie über aktuelle Projekte aus ihrem Departement, so über die Neugestaltung des 10. Schuljahrs; die Überprüfung der Belastung und der Belastbarkeit der Schulkinder während der Probezeit in der Sekundarschule, was Änderungen der Promotionsordnung zur Folge hatte; über den Stand der Erarbeitung von Richtlinien für das sonderpädagogische Angebot im Kanton Schaffhausen und über HarmoS, das Harmonisierungsprojekt der Er-ziehungsdirektorenkonferenz der Schweiz (EDK). Dabei gab Widmer Gysel bekannt, sie sei im Juni in den Vorstand der EDK gewählt worden. Von den Lehrkräften erwarte sie kritisches Mitdenken, Handeln und Engagement, aber auch loyales Verhalten, wenn einmal ein Entscheid gefallen sei. Von ihr könne erwartet werden, dass sie die Anliegen der Lehrerschaft ernst nehme, den konstruktiven Dialog pflege, bereit sei, sich vor die Lehrkräfte zu stellen, und sich mit vollem Engagement für die Sache der Schule im Kanton und in der Schweiz einsetze. «Es gibt viele Chancen, aber sie müssen gepackt werden.» Mit diesen Worten schloss Widmer Gysel ihre mit viel Applaus quittierten Ausführungen.
Nach diesen Informationen der politischen Behörde folgte der Kernpunkt der Kantonalkonferenz, das Referat von Andreas Helmkezum Thema «Lernen und Lehren». Helmke ist Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität Koblenz-Landau und Gastdozent für Pädagogische Psychologie an der Universität Innsbruck; zudem war er Gastprofessor an der Universität in Hanoi. Er befasste sich im weitesten Sinne mit der Frage, wie denn ein Unterricht sein muss, um die grösste Wirkung zu erzielen und den Unterrichteten vom Wissen zum Tun zu bringen. Helmke ging von wissenschaftlichen Untersuchungen aus, deren Ergebnisse er immer wieder in seinen Vortrag einbrachte. Er betonte, wie wichtig es sei, aus Fehlern zu lernen. Damit dies möglich sei, müssten diese aber zuerst einmal zugelassen werden. Ein besserer Unterricht brauche auch eine vermehrte Kooperation unter den Lehrkräften. «Im Lehrerzimmer spricht man über vieles, aber relativ selten über den Unterricht», meinte er. Vieles, was Helmke ausführte, war den Zuhörenden nicht neu, und viele mögen die Frage, die Helmke zum Schluss stellte, sich heimlich auch schon gestellt haben: «Warum erzielt man oft keine Wirkung, obwohl man weiss, wie man es im Unterricht besser machen könnte?»

Spiegel vorgehalten

Die Ausführungen Helmkes ernteten grossen Applaus, die geplante Diskussion fiel dann leider der fortgeschrittenen Zeit zum Opfer. Diese war unter anderem für zwei Auftritte des bereits genannten Kabaretts gebraucht worden. Dieses hielt der Schaffhauser Lehrerschar auf witzige Art und Weise den Spiegel vor und nahm mit gekonnten Wortspielen die Bildungsbürokratie aufs Korn. Der Nachmittag gehörte einer Filmvorführung im Kinepolis. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm «Treibhäuser der Zukunft» von Reinhard Kahl über Schulexperimente in Deutschland.

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