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Polizei kontrolliert wie bisher

Schwerverkehrskontrollen sollen mehr Bussgelder bringen, nicht die Verkehrskontrollen

Schaffhauser Bock, 14.08.2012 von Daniel Thüler

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Gemäss Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel und Polizeikommandant Kurt Blöchlinger sollen die im Entlastungspaket enthaltenen 500000 Franken zusätzliche Bussgelder über einen Personalausbau beim Schwerverkerskont­rollzentrum generiert werden.

Der Kanton Schaffhausen muss aufgrund der schwierigen finanziellen Lage (Min­dererträge bei der direkten Bundessteuer, bei der Nationalbank, bei der Axpo-Divi­dende und beim interkantonalen Finanz­ausgleich) bekanntlich sparen und mehr Einnahmen generieren. Der Regierungs­rat hat deshalb das Entlastungspaket ESH3 aufgegleist. Der Massnahmenka­talog ist breit gefächert und reicht quer über alle Departemente. Geplant sind zahlreiche Leistungsanpassungen, Bei­tragskürzungen, Effizienzsteigerungen (inklusive Personalabbau) sowie zahlrei­che weitere Massnahmen.

Nicht offensiv kommuniziert
In der Bevölkerung gibt eine dieser Mass­nahmen viel zu reden, zumal der Re­gierungsrat
nicht aktiv mitgeteilt hat, was sie konkret bedeutet: Erhöhung der Busseneinnahmen von satten 500000 Franken. «Wir mussten uns bei der Kom­munikation hauptsächlich auf jene Mass­nahmen konzentrieren, die gesetzliche Änderungen bedingen und über die der Kantonsrat befinden muss», sagt Finanz­und Sicherheitsdirektorin Rosmarie Wid­mer Gysel. «Schliesslich sind insgesamt 101 Massnahmen geplant – wir mussten diese deshalb gewichten.»

Kein neuer Auftrag an die Polizei

Schnell entstand jedoch die polemische Diskussion, dass die Schaffhauser Poli­zei nun zu vermehrten Verkehrskont­rollen angehalten sei, um mitzuhelfen den Staatshaushalt zu sanieren, weil die
Politik ihn zu wenig im Griff habe. Im Gegenzug müsse diese ihre Sicherheits­, Präventions- und Ermittlungstätigkei­ten vernachlässigen, da die zusätzlichen Kontrollen bei gleichem Personalbestand erfüllt werden müssen.

In verschiedenen anderen Kantonen war eine Erhöhung der Ordnungsbussen eben­falls ein heiss diskutiertes Thema, etwa
in Luzern, wo die Polizei in diesem Jahr 2,4 Millionen Franken mehr Einnahmen (insgesamt 21,9 Millionen Franken) gene­rieren soll. Dies stiess etwa beim Luzerner Polizeikommandanten Beat Hensler auf grosses Unverständnis, der gegenüber den Medien sagte: «Jede Schwerpunktverlage­rung wird unweigerlich zu einer Redukti­on der Polizeipräsenz und zu einer Verrin­gerung der Aufklärungsrate in anderen Kriminalitätsfeldern führen.»

 Polizei kontrolliert weiter wie bisher
Stellt sich in Schaffhausen nun dasselbe Problem? «Es ist nicht so, dass wir mehr Ordnungsbussen verteilen müssen – die Polizei hat prioritär die Aufgabe, die Si­cherheit für die Bevölkerung zu gewähr­leisten und nicht Bussen zu verteilen», sagt Kurt Blöchlinger, Kommandant der Schaffhauser Polizei. «Seit mehreren Jah­ren werden 5,3 Millionen Franken Buss­gelder budgetiert. Doch bereits diesen Betrag erreichen wir nicht ganz, sondern nur etwa 5,1 Millionen Franken.» Der knapp bemessene Personalbestand der Schaffhauser Polizei erlaube es gar nicht, die Verkehrskontrollen zusätzlich zu in­tensivieren, und eine Umgewichtung der polizeilichen Aufgaben sei nicht vorgese­hen. «Zudem können wir nicht steuern, wie viele der Fahrzeuglenker sich fehlbar verhalten», sagt Blöchlinger. «Gemäss Verkehrsunfallstatistik hatten wir 2011 rund zehn Prozent weniger Verkehrsun­fälle, was auch zeigt, dass sich die Lenker vermehrt an die Verkehrsregeln halten und die Mitarbeitenden der Schaffhauser Polizei gute Arbeit leisten.»

Mehr Schwerverkehrs-Kontrollen
Woher sollen also die budgetierten zu­sätzlichen 500000 Franken Bussgelder kommen? «Wir haben die Schaffhauser Polizei keinesfalls zu einer Verstärkung der Kontrollen angehalten – nach unse­rer
Meinung hat die Polizei vor allem für die Sicherheit der Bevölkerung zu sor­gen », sagt Rosmarie Widmer Gysel. Aus­serdem wird der grösste Teil der zusätz­lichen Busseneinnahmen als «Depositen» und damit bei der Staatsanwaltschaft anfallen. «Wir erteilen der Polizei auch keinen Rüffel, wenn sie das Budget nicht erreicht. Grundsätzlich gilt aber: Wer eine Busse erhält, ist in der Regel selber schuld – schliesslich dürfen die Gesetze nicht übertreten werden.» Die zusätzlich budgetierten Bussgelder soll nicht die Verkehrspolizei generieren, sondern das Schwerverkehrskontrollzen­trum (SVKZ): «Der Personalbestand des SVKZ wird verdoppelt, und kann deshalb doppelt so viele Schwerverkehrskontrol­len durchführen. Hierbei handelt es sich um eine Massnahme, die vor zwei Jah­ren – unabhängig vom ESH3 – durch die Schaffhauser Regierung bewilligt wurde und seit dem 1. Januar nun umgesetzt ist. Die zusätzlichen Stellen werden vom Bund finanziert, während gemäss Leistungsver­einbarung die Bussgelder dem Kanton zu­fliessen. Unserer Erfahrung in den letzten Jahren nach, dürfte dies pro Jahr zusätz­liche Busseneinnahmen von rund einer halben Million Franken generieren – zu­dem wird die Sicherheit für alle Verkehrs­teilnehmer durch die verstärkten Schwer­verkehrskontrollen deutlich erhöht.» Die Erhöhung der Busseneinnahmen trifft also nicht den Privatverkehr, und auch der Schweizer Schwerverkehr ist nur marginal betroffen, verfügt er doch grossmehrheitlich über gut unterhaltene Fahrzeuge. Anders sieht es bei Lastwagen aus Osteuropa aus: diese sind oft in einem schlechten Zustand, beispielsweise we­gen abgefahrenen Reifen, schlecht funk­tionierenden Bremsen und anderen Män­geln. Zudem halten sich deren Lenker tendenziell weniger an die vorgeschriebe­nen Ruhezeiten, als jene aus der Schweiz.

«De 5er und s Weggli»
Aus Schaffhauser Sicht ist die Erhöhung des Bussenbudgets also quasi «de 5er und s Weggli»: Einerseits werden die zusätzli­chen Bussgelder hauptsächlich bei Aus­wärtigen abgeschöpft, andererseits wird für die Verkehrsteilnehmer die Sicherheit erhöht.


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Originalbericht Schaffhauser Bock