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Diese Ohrfeige tut weh

schaffhauser az, 02.12.2009 von Bea Hauser

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Kommentar zu abgelehnten Schulgesetz

Da gibt es nichts zu deuteln: 71,9 Prozent der Schaffhauser Stimmberechtigten verhalfen dem Schulgesetz am letzten Sonntag zu einer Abfuhr, wie wir sie selten erlebt haben. Keine einzige Gemeinde stimmte zu, und auch das neue Bildungsgesetz wurde, allerdings um einiges knapper, versenkt. Das ist eine eigentliche Ohrfeige für die Erziehungsdirektorin und ihre beiden Vorgänger, denn schon Hans-Peter Lenherr begann im Jahr 2000 mit dem neuen Schulgesetz, und Heinz Albicker übergab die Vorlage dann seiner Nachfolgerin Rosmarie Widmer Gysel, die nun den berühmten Klogriff in der Hand hält.

Die Ohrfeige tut speziell weh, denn unbestritten waren die Tagesstrukturen, die geleiteten Schulen und die integrative Schulform. Das gegnerische Komitee schlägt zwar vor, wie nun vorzugehen sei, und die Fraktionen sind auch am Hirnen, aber eigentlich weiss im Moment niemand, wie es weitergehen soll.

Einmal mehr wurde der Beweis erbracht, dass überfrachtete Gesetze an der Urne keine Chance haben. Wir haben davor gewarnt - schon während der kantonsrätlichen Debatten im letzten Jahr -, die Verwaltung aufzublähen und die Finanzströme zwischen Kanton und Gemeinden nicht transparent und offen zu gestalten. Auch die faktische Entmachtung des Kantonsrats wurde kritisiert - das Erziehungsdepartement und die vorberatende Spezialkommission im Parlament blieben dabei.

Die `Watschen` ist auch schmerzlich, weil es nun eine ganze Weile dauern wird, bis eine Reform auf dem Papier steht, die diesen Namen verdient. Denn eins darf nicht vergessen werden: Die vielen Lehrerinnen und Lehrer, die sich öffentlich gegen das neue Schulgesetz eingesetzt haben, waren in der grossen Mehrheit nicht einfach Jammerlappen, die über entfallene Gemeindezulagen klagten. Die Lehrerinnen und Lehrer sind die Berufsgruppe, die die falsch verstandene Reformitis in den letzten Jahren zu spüren bekam. Wir Nicht-Lehrerinnen und Nicht-Eltern haben ja keine Ahnung, mit welchen Problemen sich die Lehrkräfte in den Schulzimmern herumschlagen müssen. Wo Eltern versagen, sind sie gefragt. Sie müssen Schulkindern bis zur Matura sagen, wie man sich anständig kleidet. Sie müssen Kindern beibringen, das Handy auszuschalten. Von den Lehrerinnen und Lehrern wird erwartet, dass sie im Fach `Mensch und Mitwelt` die Jugendlichen über Hygiene, Sexualität und Aids aufklären. Trotzdem schafften sie das Wunder, dass die Schaffhauser Neuntklässlerinnen und Neuntklässler bei der letzten Pisa-Studie in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften im Vergleich mit ihren Altersgenossinnen und -genossen in der übrigen Schweiz am besten abschnitten.

Damit das so bleibt - oder noch besser wird -, muss eine Schulreform erarbeitet werden, mit der die Lehrkräfte in ihren Kernaufgaben gestärkt und nicht geschwächt werden.

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